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Thomas Maulbetsch - Fachanwalt für Erbrecht in Obrigheim bei Mosbach

Testamentsvollstreckung

Video

In diesem Video informiert uns Thomas Maulbetsch, Fachanwalt für Erbrecht aus Obrigheim, zum Thema Testamentsvollstreckung im Testament.

1. Welche Vorteile hat die Testamentsvollstreckung?

Eine Testamentsvollstreckung entlastet die Erben. Die Nachlassabwicklung nach einem Erbfall ist eine zeitintensive, sehr arbeitsanfällige und haftungsträchtige Tätigkeit. Nach dem Tod des Erblassers ist u. a. das Folgende zu veranlassen:

  • Erstellung eines Nachlassverzeichnisses
  • Bezahlung evtl. von Pflichtteilsansprüchen
  • Kündigung von Verträgen (Telefon, Tageszeitung, etc.)
  • Wohnungsauflösung und Räumung bzw. Hausauflösung, Räumung und Verkauf
  • Kontenumschreibung und Immobilienumschreibungen
  • Versorgung und Unterbringung von Haustieren
  • Erstellung einer Erbschaftsteuererklärung
  • und vieles mehr…..

Weiter hat die Testamentsvollstreckung den Vorteil, dass bei mehreren Miterben ein Streit unter den Miterben über die Nachlassauseinandersetzung unterbleibt. Sind beispielsweise bei drei Miterben zwei Miterben miteinander verstritten, so kann ein außen stehender Testamentsvollstrecker die Nachlassabwicklung durchführen, ohne dass der Streit zwischen den zwei Miterben weiter eskaliert. Die Testamentsvollstreckung dient demnach der Friedenssicherung unter den Miterben.

Ich berate Sie gerne zum Thema Testamentsvollstreckung!

Zur Regelung des Nachlasses kann es oftmals hilfreich sein, einen Testamentsvollstrecker in der letztwilligen Verfügung zu benennen. Wann dies Sinn macht und welche Personen sich hierfür eignen, ist individuell unterschiedlich.

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2. Wann sollte eine Testamentsvollstreckung angeordnet werden?

Mit einer Testamentsvollstreckung können beispielsweise beruflich stark belastete Erben entlastet werden. Der Testamentsvollstrecker übernimmt dann ihre Aufgaben. Eine Entlastung ergibt sich aus daraus, wenn alle Miterben räumlich weit auseinander leben. Stellen Sie sich vor, ein Miterben lebt in den USA. Aus dieser Entfernung kann man keinen Nachlass abwickeln.

Ein Testamentsvollstrecker verhindert auch einen Streit unter den Miterben. Dies vor allen Dingen dann, wenn diese bereits persönlich verstritten sind, wie vielfach Geschwister untereinander. Ohne einen Testamentsvollstrecker würde der Geschwisterstreit in die Nachlassauseinandersetzung hineinprojeziert werden und die Nachlassauseinandersetzung könnte über lange Zeit blockiert werden bzw. die Auseinandersetzung würde höchstwahrscheinlich nicht den Wünschen des Erblassers gemäß durchgeführt werden können. 

3. Wie ist der Ablauf einer Testamentsvollstreckung?

Bei der Anordnung einer Testamentsvollstreckung bestimmt der Testamentsvollstrecker die Durchführung der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Hierbei ist er an Anweisungen des Erblassers aus dem Testament gebunden. Der Testamentsvollstrecker ist dabei objektiv und neutral und er kann bei einem evtl. Streit zwischen den Miterben vermitteln. Allerdings verteilt er, und nur der Testamentsvollstrecker, den Nachlass nach den Vorgaben des Erblassers.

Nach dem Gesetz benötigt für die Auseinandersetzung der Testamentsvollstrecker nicht die Zustimmung der Erben. Ein versierter Testamentsvollstrecker wird jedoch versuchen, die Interessen der Miterben zu ermitteln um eine einvernehmliche Auseinandersetzung des Nachlasses zu erreichen. Kommt es allerdings trotz Kompromissvorschlägen des Testamentsvollstreckers zu keiner Einigung, so kann der Testamentsvollstrecker selbst – demnach ohne Einwilligung der Miterben – den Nachlass im Sinne des Erblassers auseinandersetzen und dies umsetzen. Der Testamentsvollstrecker ist bei seiner Tätigkeit gehalten, den höchst möglichen Erlös beim Verkauf von Nachlassgegenständen zu erzielen.

4. Warum eine Testamentsvollstreckung bei minderjährigen Erben sinnvoll ist

Versterben beide Elternteile und ist das Kind als Vollwaise noch minderjährig, so ist für die Eltern oberste Priorität die menschliche und finanzielle Absicherung des Kindes. Für diesen Fall wird das Kind zum Erben eingesetzt. Folge ist, dass eine andere erwachsene Person den Nachlass für das Kind verwalten muss. Ist ein Elternteil verstorben, so führt die selbstverständlich der überlebende Elternteil aus. Sind beide Elternteile verstorben, so kann eine Testamentsvollstreckung für diesen Fall angeordnet werden. Hier sollte dann dem Testamentsvollstrecker die genaue Anweisung erteilt werden, inwieweit er aus dem Nachlass dem minderjährigen Kind Unterhalt zu gewähren hat bzw. zu Unterstützungsleistungen in Form von Geld zum Kauf eines Pkw oder bei einer Mietwohnung zur Zuzahlung des Mietzinses berechtigt sein soll. Die Eltern können in diesem Zusammenhang genau festlegen, bis zu welchem Alter ihres Kindes die Testamentsvollstreckung anzuordnen ist.

Es sollte dabei aus Sicht der Eltern immer beachtet werden, dass ein soeben erwachsen gewordenes Kind nicht in der Lage ist, einen Nachlass bzw. erhebliche Vermögenswerte ordnungsgemäß zu verwalten und zu erhalten. Von daher ist eine Testamentsvollstreckung bis zum Alter des Kindes von beispielsweise 25 Jahren ein angemessener Zeitrahmen. Natürlich kann die Testamentsvollstreckung länger andauern. Höchstdauer einer Testamentsvollstreckung ist laut dem Gesetz 30 Jahre.

Ist der Erblasser beispielsweise geschieden, so kann er mit der Testamentsvollstreckung verhindern, dass der geschiedene Ehepartner als leiblicher Elternteil den Nachlass des gemeinsamen Kindes verwaltet. Der geschiedene Ex-Ehepartner hat demnach keinen Zugriff auf den Nachlass, da die Testamentsvollstreckung dies verhindert. Vor allen Dingen vereinfacht in diesem Bereich eine Testamentsvollstreckung auch die Abwicklung beispielsweise beim Verkauf von Immobilien. In vielen Fällen ist dann eine Einschaltung des Familiengerichts trotz der Minderjährigkeit des Kindes nicht mehr nötig. Hier finden Sie Informationen zum Geschiedentestament.

5. Welche Steuerangelegenheiten hat der Testamentsvollstrecker zu erledigen?

Der Testamentsvollstrecker ist verpflichtet, die Erbschaftsteuererklärung für die Miterben beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt einzureichen. Er sollte dabei darauf achten, dass der Erbschaftsteuerbescheid zunächst ihm mitgeteilt wird. Er kann dann die Ordnungsgemäßheit des Erbschaftsteuerbescheides selbständig prüfen.

Des Weiteren ist der Testamentsvollstrecker verpflichtet, die Einkommensteuererklärung des Erblassers bis zu seinem Todestag abzugeben. Dies wird vielfach übersehen. Mit dem Tod geht dann die Einkommensteuerpflicht auf die Miterben über, wenn beispielsweise eine vermietete Immobilie im Nachlass ist. Diese Einnahmen sind dann bei der eigenen Einkommensteuererklärung ebenso bei jedem einzelnen Miterben anzugeben.

6. Wer kann Testamentsvollstrecker werden?

Das Amt des Testamentsvollstreckers kann jede natürliche oder juristische Person übernehmen. Die natürliche Person muss über 18 Jahre alt sein. Es sollte jedoch im Regelfall eine Person mit juristischen Vorkenntnissen sein, da das Amt des Testamentsvollstreckers sehr haftungsträchtig und arbeitsintensiv ist. Eine Person, die im Rahmen ihrer Tätigkeit als Testamentsvollstrecker einen Schaden für den Nachlass verursacht, haftet mit ihrem Privatvermögen. Ein Fachanwalt für Erbrecht beispielsweise, der eine Testamentsvollstreckung im Rahmen seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt durchführt, hat eine eigene Haftpflichtversicherung. Bei der Abwicklung eines umfangreichen und komplizierten Nachlasses ist der juristische Laie vielfach überfordert. Sollte der Erblasser keinerlei geeignete Person trotz des Wunsches der Anordnung einer Testamentsvollstreckung kennen, so kann er bestimmen, dass das zuständige Nachlassgericht einen geeigneten Testamentsvollstrecker ernennt.

7. Wie wird die Testamentsvollstreckung angeordnet?

Eine Testamentsvollstreckung kann nur in einem Testament oder einem Erbvertrag angeordnet werden. Der Erblasser bestimmt, welche Aufgaben der Testamentsvollstrecker wahrzunehmen hat und er erteilt dem Testamentsvollstrecker Weisungen. Die Weisungen des Erblassers hat der Testamentsvollstrecker zu berücksichtigen und umzusetzen. Der Erblasser kann weiter anordnen, dass die Testamentsvollstreckung mit einem bestimmten Datum oder Ereignis endet. Dies kann beispielsweise die Erreichung eines bestimmten Alters seitens des Erben sein.

8. Wer haftet für Schäden, die durch die Testamentsvollstreckung entstehen?

Ein Testamentsvollstrecker haftet immer persönlich für einen Schaden, den er während seiner Tätigkeit als Testamentsvollstrecker für den Nachlass verursacht. Ein Nichtjurist kann für diese Tätigkeit eines sog. Vermögens­schadens-­Haftpflichtversicherung abschließen. Ist die Übernahme dieser Kosten durch den Nachlass im Testament nicht ausdrücklich geregelt, so muss der Testamentsvollstrecker diese Versicherung auf eigene Kosten abschließen.

Ein Fachanwalt für Erbrecht ist durch seine Vermögens­schadens­-Haftpflichtversicherung auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit bereits abgesichert.

Den Schaden haben die Erben gegenüber dem Testamentsvollstrecker geltend zu machen. Dabei ist die Verjährung der Ansprüche zu beachten.

9. Wer bestimmt die Aufgaben des Testamentsvollstreckers?

Allein der Erblasser bestimmt in seiner letztwilligen Verfügung, was der Testamentsvollstrecker zu tun hat. Hier sollte ein Erblasser bereits zu Lebzeiten mit einem versierten Fachanwalt für Erbrecht bei der Errichtung des Testaments Kontakt aufnehmen, damit die zu tätigenden Aufgaben und auch die Zeitdauer genau spezifiziert werden. Ansonsten könnte es evtl. nach dem Todesfall zum Streit hinsichtlich Umfangs der Tätigkeiten des Testamentsvollstreckers kommen. Im BGB sind des Weiteren Aufgaben und Pflichten des Testamentsvollstreckers genannt.

10. Welche Pflichten hat ein Testamentsvollstrecker?

Der Testamentsvollstrecker muss unverzüglich nach der Annahme des Amtes ein Nachlassverzeichnis zum Tag der Amtsannahme erstellen und dieses den Erben übermitteln.

Während der Testamentsvollstreckung ist er ebenso den Erben zur Auskunft- und Rechenschaft verpflichtet. Er darf aus dem Nachlass nichts verschenken, außer Anstands- und Pflichtteilsschenkungen. Ebenso sind In-sich-Geschäfte für den Testamentsvollstrecker mit sich selbst verboten, außer der Erblasser hat im Testament den § 181 BGB abbedungen.

Weitere Fragen und Antworten

Wie kann ein Testamentsvollstrecker sein Testamentsvollstreckeramt nachweisen?

Das Testamentsvollstreckeramt wird dadurch nachgewiesen, dass der Testamentsvollstrecker beim zuständigen Nachlassgericht ein Testamentsvollstreckerzeugnis beantragt und diesen ihm dann durch das Nachlassgericht übermittelt wird. Mit dem Testamentsvollstreckerzeugnis kann der Testamentsvollstrecker sich gegenüber Dritten ausweisen. Es ist quasi sein „Personalausweis“ für die Verwaltung bzw. Abwicklung des Nachlasses.

Welche Tätigkeiten sollte der Testamentsvollstrecker nach Amtsannahme durchführen?

  1. Der Testamentsvollstrecker muss alle Nachlassgegenstände in Besitz nehmen. Hierfür sollte ein Protokoll, evtl. mit Zeugen, angefertigt werden. 
  2. Anschließend ist das Testamentsvollstreckerzeugnis zu beantragen
  3. Weiter sollte der Testamentsvollstrecker eine eigene Testamentsvollstreckerakte für die Abwicklung des Nachlasses führen. Hier kann dann evtl. für jeden Vermächtnisnehmer oder auch Erben ein eigener Unterpunkt in der Akte geführt werden. Der Testamentsvollstrecker muss eine klare Trennung zwischen seinem Eigenvermögen und dem durch ihn verwalteten Vermögen achten. 
  4. Weiter sollte er einen Postnachsendeantrag für die Post des Erblassers stellen. Somit ist sichergestellt, dass sämtlicher Schriftverkehr wie Kontoauszüge, Rechnungen etc. dem Testamentsvollstrecker zugehen. 
  5. Weiter sollte der Testamentsvollstrecker mit allen beteiligten Personen umgehend Kontakt aufnehmen. Dies sind die Erben und evtl. Vermächtnisnehmer oder Auflagenbegünstigte. Hier kann er bereist seine Tätigkeiten darstellen, um ein Misstrauen der Erben ihm gegenüber entgegenzuwirken. 
  6. Der „private“ Testamentsvollstrecker sollte eine Vermögens­schadens­haftpflichtversicherung abschließen, da er bei eigenen Fehlern mit seinem Privatvermögen gegenüber den Erben haftet.

Welche Kosten entstehen durch die Testamentsvollstreckung?

Die Kosten einer Testamentsvollstreckung werden durch eine Vergütung an den Testamentsvollstrecker geregelt. Die Tätigkeiten des Testamentsvollstreckers sind vielfältig und beinhalten ein hohes Maß an Verantwortung und beinhalten ein hohes Haftungsrisiko. Der Erblasser selbst hat die Möglichkeit, die Testamentsvollstreckervergütung im Testament ausdrücklich festzulegen. Sollte hierbei ein Rechtsanwalt zum Testamentsvollstrecker ernannt werden, so soll ausdrücklich niedergeschrieben werden, ob die Testamentsvollstreckervergütung die Umsatzsteuer mit umfasst.

Fehlt es an einer Anordnung im Testament bzgl. der Testamentsvollstreckervergütung, so wird nach dem Gesetz für den Testamentsvollstrecker eine angemessene Vergütung fällig. Die angemessene Vergütung ist im BGB nicht geregelt, jedoch haben sich im Laufe der Jahre verschiedene Vergütungsmodelle herausgebildet. Im Regelfall erhält nach der Rechtsprechung der Testamentsvollstrecker eine Vergütung nach den Empfehlungen des Deutschen Notarvereins. Die Empfehlungen der Vergütung richten sich nach dem Bruttonachlasswert, demnach ohne Abzug der Verbindlichkeiten, Pflichtteilsansprüche und Vermächtnisansprüche, und mit diversen Zuschlägen. Die Vergütung im Grundbetrag beträgt demnach wie folgt:

Höhe des Vergütungsgrundbetrags eines Testamentsvollstreckers: 

bis € 250.000,- 4%
bis € 500.000,- 3%
bis € 2.500.000,- 2,5 %
bis € 5.000.000,- 2 %
über € 5.000.000,- 1,5 %

 

 

 

mindestens aber der höchste Betrag der Vorstufe.

Es ist immer zu beachten, dass die Testamentsvollstreckergebühren im Regelfall weit geringer sind als ein Streit innerhalb der Erben über den Nachlass.

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