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Thomas Maulbetsch - Fachanwalt für Erbrecht in Obrigheim bei Mosbach

Testamentsvollstreckung

Welche Vorteile hat die Testamentsvollstreckung?

Eine Testamentsvollstreckung entlastet die Erben. Die Nachlassabwicklung nach einem Erbfall ist eine zeitintensive, sehr arbeitsanfällige und haftungsträchtige Tätigkeit. Nach dem Tod des Erblassers ist u. a. das Folgende zu veranlassen:

  • Schriftliche Kommunikation mit dem Nachlassgericht
  • Sichtung sämtlicher Unterlagen des Erblassers
  • Erstellung eines Nachlassverzeichnisses
  • Geltendmachung von Forderungen
  • Bezahlung offener Rechnungen
  • Erfüllung von Vermächtnissen und Auflagen laut dem Testament
  • Bezahlung evtl. von Pflichtteilsansprüchen
  • Kündigung von Verträgen (Telefon, Tageszeitung, etc.)
  • Wohnungsauflösung und Räumung bzw. Hausauflösung, Räumung und Verkauf
  • Kontenumschreibung und Immobilienumschreibungen
  • Versorgung und Unterbringung von Haustieren
  • Erstellung einer Erbschaftsteuererklärung
  • und vieles mehr…..

Weiter hat die Testamentsvollstreckung den Vorteil, dass bei mehreren Miterben ein Streit unter den Miterben über die Nachlassauseinandersetzung unterbleibt. Sind beispielsweise bei drei Miterben zwei Miterben miteinander verstritten, so kann ein außen stehender Testamentsvollstrecker die Nachlassabwicklung durchführen, ohne dass der Streit zwischen den zwei Miterben weiter eskaliert. Die Testamentsvollstreckung dient demnach der Friedenssicherung unter den Miterben.



Wann sollte eine Testamentsvollstreckung angeordnet werden?

Mit einer Testamentsvollstreckung können beispielsweise beruflich stark belastete Erben entlastet werden. Der Testamentsvollstrecker übernimmt dann ihre Aufgaben. Eine Entlastung ergibt sich aus daraus, wenn alle Miterben räumlich weit auseinander leben. Stellen Sie sich vor, ein Miterben lebt in den USA. Aus dieser Entfernung kann man keinen Nachlass abwickeln.

Ein Testamentsvollstrecker verhindert auch einen Streit unter den Miterben. Dies vor allen Dingen dann, wenn diese bereits persönlich verstritten sind, wie vielfach Geschwister untereinander. Ohne einen Testamentsvollstrecker würde der Geschwisterstreit in die Nachlassauseinandersetzung hineinprojeziert werden und die Nachlassauseinandersetzung könnte über lange Zeit blockiert werden bzw. die Auseinandersetzung würde höchstwahrscheinlich nicht den Wünschen des Erblassers gemäß durchgeführt werden können.  



Dient eine Testamentsvollstreckung der Streitvermeidung?

Die Testamentsvollstreckung dient immer einer Streitvermeidung.

Hat der Erblasser mehrere Erben eingesetzt, so entsteht eine sog. Erbengemeinschaft, die den Nachlass nur gemeinsam verwalten kann. Hierbei werden oft persönliche Streitigkeit und Auseinandersetzungen zwischen den Miterben in die Nachlassauseinandersetzung mit einbezogen. Ist dabei ein Miterbe querulantisch veranlagt, so kann er eine einvernehmliche Verwaltung und Verteilung des Nachlasses über Wochen und Monate, manchmal sogar über Jahre blockieren bzw. erschweren. Es bleibt dann den übrigen Miterben nur die zwangsweise Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft, die sog. Teilungsversteigerung. Bei der Teilungsversteigerung werden Grundstücke über das Amtsgericht bzw. bewegliche Gegenstände – wie beispielsweise Pkw – über den Gerichtsvollzieher versteigert. Dabei werden im Regelfall nicht die am Markt relevanten Preise erzielt bzw. die jahrelange Abwicklung kostet alle Beteiligten erhebliche Geldsummen.

Es ist offensichtlich, dass dies umständlich und zeitaufwendig ist. Ebenso ist der wirtschaftliche Schaden für alle Beteiligten vorprogrammiert.

Wird Testamentsvollstreckung angeordnet, so verwaltet der Testamentsvollstrecker den Nachlass und teilt diesen unter den Miterben gemäß den Anweisungen des Erblassers auf. Hierbei kann es dann zu keinerlei Blockadehaltungen der Miterben kommen. In diesem Bereich kann der Erblasser dem Testamentsvollstrecker zahlreiche Anweisungen zur Abwicklung des Nachlasses erteilen, an welche der Testamentsvollstrecker gebunden ist.



Wie wird die Testamentsvollstreckung durchgeführt?

Bei der Anordnung einer Testamentsvollstreckung bestimmt der Testamentsvollstrecker die Durchführung der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Hierbei ist er an Anweisungen des Erblassers aus dem Testament gebunden. Der Testamentsvollstrecker ist dabei objektiv und neutral und er kann bei einem evtl. Streit zwischen den Miterben vermitteln. Allerdings verteilt er, und nur der Testamentsvollstrecker, den Nachlass nach den Vorgaben des Erblassers.

Nach dem Gesetz benötigt für die Auseinandersetzung der Testamentsvollstrecker nicht die Zustimmung der Erben. Ein versierter Testamentsvollstrecker wird jedoch versuchen, die Interessen der Miterben zu ermitteln um eine einvernehmliche Auseinandersetzung des Nachlasses zu erreichen. Kommt es allerdings trotz Kompromissvorschlägen des Testamentsvollstreckers zu keiner Einigung, so kann der Testamentsvollstrecker selbst – demnach ohne Einwilligung der Miterben – den Nachlass im Sinne des Erblassers auseinandersetzen und dies umsetzen. Der Testamentsvollstrecker ist bei seiner Tätigkeit gehalten, den höchst möglichen Erlös beim Verkauf von Nachlassgegenständen zu erzielen.



Ist eine Testamentsvollstreckung bei minderjährigen Erben sinnvoll?

Versterben beide Elternteile und ist das Kind als Vollwaise noch minderjährig, so ist für die Eltern oberste Priorität die menschliche und finanzielle Absicherung des Kindes. Für diesen Fall wird das Kind zum Erben eingesetzt. Folge ist, dass eine andere erwachsene Person den Nachlass für das Kind verwalten muss. Ist ein Elternteil verstorben, so führt die selbstverständlich der überlebende Elternteil aus. Sind beide Elternteile verstorben, so kann eine Testamentsvollstreckung für diesen Fall angeordnet werden. Hier sollte dann dem Testamentsvollstrecker die genaue Anweisung erteilt werden, inwieweit er aus dem Nachlass dem minderjährigen Kind Unterhalt zu gewähren hat bzw. zu Unterstützungsleistungen in Form von Geld zum Kauf eines Pkw oder bei einer Mietwohnung zur Zuzahlung des Mietzinses berechtigt sein soll. Die Eltern können in diesem Zusammenhang genau festlegen, bis zu welchem Alter ihres Kindes die Testamentsvollstreckung anzuordnen ist. Es sollte dabei aus Sicht der Eltern immer beachtet werden, dass ein soeben erwachsen gewordenes Kind nicht in der Lage ist, einen Nachlass bzw. erhebliche Vermögenswerte ordnungsgemäß zu verwalten und zu erhalten. Von daher ist eine Testamentsvollstreckung bis zum Alter des Kindes von beispielsweise 25 Jahren ein angemessener Zeitrahmen. Natürlich kann die Testamentsvollstreckung länger andauern. Höchstdauer einer Testamentsvollstreckung ist laut dem Gesetz 30 Jahre.

Ist der Erblasser beispielsweise geschieden, so kann er mit der Testamentsvollstreckung verhindern, dass der geschiedene Ehepartner als leiblicher Elternteil den Nachlass des gemeinsamen Kindes verwaltet. Der geschiedene Ex-Ehepartner hat demnach keinen Zugriff auf den Nachlass, da die Testamentsvollstreckung dies verhindert. Vor allen Dingen vereinfacht in diesem Bereich eine Testamentsvollstreckung auch die Abwicklung beispielsweise beim Verkauf von Immobilien. In vielen Fällen ist dann eine Einschaltung des Familiengerichts trotz der Minderjährigkeit des Kindes nicht mehr nötig. 



Welche Steuerangelegenheiten hat der Testamentsvollstrecker zu erledigen?

Der Testamentsvollstrecker ist verpflichtet, die Erbschaftsteuererklärung für die Miterben beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt einzureichen. Er sollte dabei darauf achten, dass der Erbschaftsteuerbescheid zunächst ihm mitgeteilt wird. Er kann dann die Ordnungsgemäßheit des Erbschaftsteuerbescheides selbständig prüfen.

Des Weiteren ist der Testamentsvollstrecker verpflichtet, die Einkommensteuererklärung des Erblassers bis zu seinem Todestag abzugeben. Dies wird vielfach übersehen. Mit dem Tod geht dann die Einkommensteuerpflicht auf die Miterben über, wenn beispielsweise eine vermietete Immobilie im Nachlass ist. Diese Einnahmen sind dann bei der eigenen Einkommensteuererklärung ebenso bei jedem einzelnen Miterben anzugeben.



Ist eine Testamentsvollstreckung bei Betriebsvermögen sinnvoll?

Eine Testamentsvollstreckung ist im Bereich eines Unternehmens dann sinnvoll, wenn der potentielle Unternehmensnachfolger – ein Kind des Erblassers – noch nicht das erforderliche Alter zur Führung des Unternehmens hat. Gleiches gilt natürlich, wenn dem potentiellen Unternehmensnachfolger noch die notwendige Qualifikation zur Fortführung des Unternehmens fehlt. Allerdings ist zu beachten, dass die Fortführung des Unternehmens durch einen Testamentsvollstrecker zeitlich begrenzt ist. Hier sollte deshalb bereits im Vorfeld durch den Erblasser geklärt werden, wie lange die Testamentsvollstreckung im Unternehmensbereich gehen soll, wie der Testamentsvollstrecker sich zu verhalten hat und sollte der potentielle Unternehmensnachfolger doch nicht die Firma übernehmen wollen, ist natürlich sicherzustellen, dass die Familie des Erblassers weiterhin aus dem Unternehmen die entsprechenden Zahlungen für den eigenen Lebensunterhalt aus dem Gewinn des Unternehmens bzw. aus einem evtl. Veräußerungserlöses des Unternehmens erhält. 

Hier kann ein qualifizierter Testamentsvollstrecker den Erblasser bei der Anordnung der Testamentsvollstreckung und dem Inhalt gute Hilfestellungen leisten und mit diesem zusammen dann einen sinnvollen Inhalt der Testamentsvollstreckeranordnungen erstellen.



Wer kann Testamentsvollstrecker werden?

Das Amt des Testamentsvollstreckers kann jede natürliche oder juristische Person übernehmen. Die natürliche Person muss über 18 Jahre alt sein. Es sollte jedoch im Regelfall eine Person mit juristischen Vorkenntnissen sein, da das Amt des Testamentsvollstreckers sehr haftungsträchtig und arbeitsintensiv ist. Eine Person, die im Rahmen ihrer Tätigkeit als Testamentsvollstrecker einen Schaden für den Nachlass verursacht, haftet mit ihrem Privatvermögen. Ein Fachanwalt für Erbrecht beispielsweise, der eine Testamentsvollstreckung im Rahmen seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt durchführt, hat eine eigene Haftpflichtversicherung. Bei der Abwicklung eines umfangreichen und komplizierten Nachlasses ist der juristische Laie vielfach überfordert. Sollte der Erblasser keinerlei geeignete Person trotz des Wunsches der Anordnung einer Testamentsvollstreckung kennen, so kann er bestimmen, dass das zuständige Nachlassgericht einen geeigneten Testamentsvollstrecker ernennt.


Wie wird die Testamentsvollstreckung angeordnet?

Eine Testamentsvollstreckung kann nur in einem Testament oder einem Erbvertrag angeordnet werden. Der Erblasser bestimmt, welche Aufgaben der Testamentsvollstrecker wahrzunehmen hat und er erteilt dem Testamentsvollstrecker Weisungen. Die Weisungen des Erblassers hat der Testamentsvollstrecker zu berücksichtigen und umzusetzen. Der Erblasser kann weiter anordnen, dass die Testamentsvollstreckung mit einem bestimmten Datum oder Ereignis endet. Dies kann beispielsweise die Erreichung eines bestimmten Alters seitens des Erben sein.


Welche Eigenschaften sollte ein Testamentsvollstrecker haben?

Ein Testamentsvollstrecker sollte fachlich und persönlich geeignet sein, das ehrenvolle und aufwendige Amt des Testamentsvollstreckers zu übernehmen. Er sollte des Weiteren natürlich vertrauenswürdig sein und insbesondere das Vertrauen des Erblassers innehaben. Ein Testamentsvollstrecker braucht des Weiteren Durchsetzungsvermögen, um sich gegen Widerstände der Miterben durchzusetzen. Bei seiner Tätigkeit selbst ist der Testamentsvollstrecker neutral, unabhängig und unparteilich. Er sollte juristisch versiert sein, damit er rechtliche Fragen selbständig lösen kann.

Bei einer Dauertestamentsvollstreckung ist zu berücksichtigen, dass der Testamentsvollstrecker ebenso älter werden wird. Es ist auch immer ein Ersatz-Testamentsvollstrecker zu benennen, da der Testamentsvollstrecker beispielsweise auf Grund eigenen Todes oder auf Grund eigener Krankheit evtl. das Amt nicht antreten kann oder das Amt kündigt. Vielfach wird die Ernennung eines Ersatztestamentsvollstreckers vergessen. Hier stellt sich dann die Frage, ob durch die Ernennung eines Testamentsvollstreckers automatisch ein Ersatztestamentsvollstrecker dann durch das zuständige Nachlassgericht einzusetzen ist. Die Rechtsprechung bestätigt dies mittlerweile.


Wer haftet für Schäden, die durch die Testamentsvollstreckung entstehen?

Ein Testamentsvollstrecker haftet immer persönlich für einen Schaden, den er während seiner Tätigkeit als Testamentsvollstrecker für den Nachlass verursacht. Ein Nichtjurist kann für diese Tätigkeit eines sog. Vermögensschadens-Haftpflichtversicherung abschließen. Ist die Übernahme dieser Kosten durch den Nachlass im Testament nicht ausdrücklich geregelt, so muss der Testamentsvollstrecker diese Versicherung auf eigene Kosten abschließen.

Ein Fachanwalt für Erbrecht ist durch seine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit bereits abgesichert.

Den Schaden haben die Erben gegenüber dem Testamentsvollstrecker geltend zu machen. Dabei ist die Verjährung der Ansprüche zu beachten.


Wen betrifft die Testamentsvollstreckung unmittelbar?

Der Testamentsvollstrecker erhält die Verfügungsmacht über den Nachlass. Somit haben die Erben keinerlei Rechte an Nachlassgegenständen soweit die Testamentsvollstreckung angeordnet ist. Die Erben können beispielsweise keine Gegenstände veräußern oder Vermögensbestandteile umschichten.


Wer bestimmt die Aufgaben des Testamentsvollstreckers?

Allein der Erblasser bestimmt in seiner letztwilligen Verfügung, was der Testamentsvollstrecker zu tun hat. Hier sollte ein Erblasser bereits zu Lebzeiten mit einem versierten Fachanwalt für Erbrecht bei der Errichtung des Testaments Kontakt aufnehmen, damit die zu tätigenden Aufgaben und auch die Zeitdauer genau spezifiziert werden. Ansonsten könnte es evtl. nach dem Todesfall zum Streit hinsichtlich Umfangs der Tätigkeiten des Testamentsvollstreckers kommen. Im BGB sind des Weiteren Aufgaben und Pflichten des Testamentsvollstreckers genannt.


Welche unterschiedlichen Arten der Testamentsvollstreckung gibt es?

Im BGB sind verschiedene Grundtypen einer Testamentsvollstreckung niedergeschrieben:

  • Abwicklungsvollstreckung
  • Verwaltungsvollstreckung/Dauertestamentsvollstreckung
  • Nacherbenvollstreckung
  • Erbteilsvollstreckung
  • Vermächtnisvollstreckung
  • Vollstreckung mit eingeschränktem Aufgabenkreis

Was umfasst eine Abwicklungstestamentsvollstreckung?

Bei einer Abwicklungstestamentsvollstreckung hat der Testamentsvollstrecker die Aufgabe, den Nachlass nach der Art und Weise und den Anweisungen des Erblassers auseinanderzusetzen. Vor der Auseinandersetzung nimmt der Testamentsvollstrecker den Nachlass in Besitz und verwaltet denselbigen. Der Testamentsvollstrecker hat dabei natürlich auch Nachlassverbindlichkeiten zu erfüllen, Verträge zu kündigen und erbschaftsteuerrechtliche – sowie einkommensteuerrechtliche Verpflichtungen zu erfüllen. Er verteilt anhand der Angaben des Erblassers den Nachlass an die Erben, die Vermächtnisnehmer und Auflagenbegünstigten.

Die Abwicklung des Nachlasses muss schnellstmöglich erfolgen. Mit der Auseinandersetzung des Nachlasses endet auch die Tätigkeit des Testamentsvollstreckers.


Was umfasst eine Verwaltungstestamentsvollstreckung bzw. Dauertestamentsvollstreckung?

Bei einer Dauertestamentsvollstreckung verwaltet der Testamentsvollstrecker für die Erben für eine bestimmte Dauer den Nachlass nach den Angaben und Weisungen des Erblassers. Die Auseinandersetzung gehört dann, wenn es nicht ausdrücklich im Testament niedergeschrieben ist, nicht zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers. Beim Zeitablauf hat der dann den Nachlass an den Erben bzw. die Erben herauszugeben.

Der Erblasser kann die Dauertestamentsvollstreckung auf einen bestimmten Tag regulieren oder an ein bestimmtes Ereignis in der Zukunft anknüpfen. Bei minderjährigen Kindern kann die Testamentsvollstreckung beispielsweise bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres oder des erfolgreichen Abschlusses einer Ausbildung bestimmt werden.


Was umfasst die Nacherbentestamentsvollstreckung?

Hat der Erblasser in seinem Testament Vor- und Nacherbschaft angeordnet, dann nimmt der Testamentsvollstrecker die Rechte und Pflichten des Nacherben gegenüber dem Vorerben für die Dauer der Vorerbschaft wahr. Dies sind im Regelfall Kontroll- und Auskunftsrechte. Hintergrund ist, dass der Vorerbe quasi Erbe auf Zeit ist und er dann unter gewissen Voraussetzungen bzw. bei seinem Tod den vorhandenen Vorerbennachlass an den Nacherben herausgeben muss.


Was umfasst eine Vollstreckung mit eingeschränktem Aufgabenkreis?

Bei einem eingeschränkten Aufgabenkreis liegt im Regelfall die Verwaltung eines bestimmten im Nachlass sich befindlichen Vermögenswertes auf Anweisung des Erblassers und seiner letztwilligen Verfügung für den Testamentsvollstrecker vor. Über den restlichen Nachlass können dann der Erbe bzw. die Miterben frei verfügen.

Beim eingeschränkten Aufgabenkreis muss der Erblasser dem Testamentsvollstrecker genauere Anweisungen geben, was er beispielsweise mit Erträgen des verwalteten Objektes – z.B. ein Mietshaus – tun muss. Hier kann eine Herausgabepflicht an die Familie des Erblassers in das Testament eingefügt werden oder auch eine Einbehaltungspflicht der Erträge und deren Verwaltung.

Hier muss der Erblasser genau bestimmen, wann die Vollstreckung mit eingeschränktem Aufgabenkreis endet. Danach ist der Nachlass den Erben herauszugeben. Dies gilt auch für die angesammelten Erträge.


Was ist eine Erbteilsvollstreckung?

Der Erblasser kann anordnen, dass ein Erbanteil eines Miterben an einer Erbengemeinschaft von einem Testamentsvollstrecker verwalten werden muss. Der Testamentsvollstrecker nimmt die Interessen bzw. Rechte und Pflichten eines Miterben wahr. Dies wird in der Regel bei minderjährigen oder geschäftsunerfahrenen Miterben angeordnet.


Was ist eine Vermächtnisvollstreckung?

Bei einer Vermächtnisvollstreckung muss der Testamentsvollstrecker die in der letztwilligen Verfügung angeordneten Vermächtnisse erfüllen. Dies kann beispielsweise die Übertragung des Eigentums an einer Immobilie oder einen Gegenstand – wie einem Klavier oder PKW – sein. Dadurch wir die zeitnahem Erfüllung des Vermächtnisses sichergestellt.

Der Erblasser kann hier den Vermächtnisnehmer selbst zum Testamentsvollstrecker mit diesem Aufgabenkreis ernennen. Damit ist die Erfüllung von den Erben unabhängig.


Welche Pflichten hat ein Testamentsvollstrecker?

Der Testamentsvollstrecker muss unverzüglich nach der Annahme des Amtes ein Nachlassverzeichnis zum Tag der Amtsannahme erstellen und dieses den Erben übermitteln.

Während der Testamentsvollstreckung ist er ebenso den Erben zur Auskunft- und Rechenschaft verpflichtet. Er darf aus dem Nachlass nichts verschenken, außer Anstands- und Pflichtteilsschenkungen. Ebenso sind In-sich-Geschäfte für den Testamentsvollstrecker mit sich selbst verboten, außer der Erblasser hat im Testament den § 181 BGB abbedungen.


Wie kann ein Testamentsvollstrecker sein Testamentsvollstreckeramt nachweisen?

Das Testamentsvollstreckeramt wird dadurch nachgewiesen, dass der Testamentsvollstrecker beim zuständigen Nachlassgericht ein Testamentsvollstreckerzeugnis beantragt und diesen ihm dann durch das Nachlassgericht übermittelt wird. Mit dem Testamentsvollstreckerzeugnis kann der Testamentsvollstrecker sich gegenüber Dritten ausweisen. Es ist quasi sein „Personalausweis“ für die Verwaltung bzw. Abwicklung des Nachlasses.


Welche Tätigkeiten sollte der Testamentsvollstrecker nach Amtsannahme durchführen?

Der Testamentsvollstrecker muss alle Nachlassgegenstände in Besitz nehmen. Hierfür sollte ein Protokoll, evtl. mit Zeugen, angefertigt werden. Anschließend ist das Testamentsvollstreckerzeugnis zu beantragen. Weiter sollte der Testamentsvollstrecker eine eigene Testamentsvollstreckerakte für die Abwicklung des Nachlasses führen. Hier kann dann evtl. für jeden Vermächtnisnehmer oder auch Erben ein eigener Unterpunkt in der Akte geführt werden. Der Testamentsvollstrecker muss eine klare Trennung zwischen seinem Eigenvermögen und dem durch ihn verwalteten Vermögen achten. Weiter sollte er einen Postnachsendeantrag für die Post des Erblassers stellen. Somit ist sichergestellt, dass sämtlicher Schriftverkehr wie Kontoauszüge, Rechnungen etc. dem Testamentsvollstrecker zugehen. Weiter sollte der Testamentsvollstrecker mit allen beteiligten Personen umgehend Kontakt aufnehmen. Dies sind die Erben und evtl. Vermächtnisnehmer oder Auflagenbegünstigte. Hier kann er bereist seine Tätigkeiten darstellen, um ein Misstrauen der Erben ihm gegenüber entgegenzuwirken. Der „private“ Testamentsvollstrecker sollte eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abschließen, da er bei eigenen Fehlern mit seinem Privatvermögen gegenüber den Erben haftet.


Welche Kosten entstehen durch die Testamentsvollstreckung?

Die Kosten einer Testamentsvollstreckung werden durch eine Vergütung an den Testamentsvollstrecker geregelt. Die Tätigkeiten des Testamentsvollstreckers sind vielfältig und beinhalten ein hohes Maß an Verantwortung und beinhalten ein hohes Haftungsrisiko. Der Erblasser selbst hat die Möglichkeit, die Testamentsvollstreckervergütung im Testament ausdrücklich festzulegen. Sollte hierbei ein Rechtsanwalt zum Testamentsvollstrecker ernannt werden, so soll ausdrücklich niedergeschrieben werden, ob die Testamentsvollstreckervergütung die Umsatzsteuer mit umfasst. Fehlt es an einer Anordnung im Testament bzgl. der Testamentsvollstreckervergütung, so wird nach dem Gesetz für den Testamentsvollstrecker eine angemessene Vergütung fällig. Die angemessene Vergütung ist im BGB nicht geregelt, jedoch haben sich im Laufe der Jahre verschiedene Vergütungsmodelle herausgebildet. Im Regelfall erhält nach der Rechtsprechung der Testamentsvollstrecker eine Vergütung nach den Empfehlungen des Deutschen Notarvereins. Die Empfehlungen der Vergütung richten sich nach dem Bruttonachlasswert, demnach ohne Abzug der Verbindlichkeiten, Pflichtteilsansprüche und Vermächtnisansprüche, und mit diversen Zuschlägen. Die Vergütung im Grundbetrag beträgt demnach wie folgt:

Höhe des Vergütungsgrundbetrags: 

bis € 250.000,- 4%
bis € 500.000,- 3%
bis € 2.500.000,- 2,5 %
bis € 5.000.000,- 2 %
über € 5.000.000,- 1,5 %

mindestens aber der höchste Betrag der Vorstufe.

Es ist immer zu beachten, dass die Testamentsvollstreckergebühren im Regelfall weit geringer sind als ein Streit innerhalb der Erben über den Nachlass.


In Kooperation mit:

Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten e.V. Netzwerk Deutscher Testamentsvollstrecker e.V. Mediation im Erbrecht
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WWF Christoffel Blindenmission Verband Wohneigentum e.V. OM Deutschland GBA Ships Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
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